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C. A. T. 2008: Canal des Houillières

 

Wie angekündigt ging's in 2008 wieder aufs Wasser. Dieses Mal wurde allerdings nicht mit Muskelkraft gepaddelt, sondern ein 
Dieselmotor mit ca. 45 KW in Anspruch genommen. 
Als Erstes möchte ich Euch unsere Calypso mal vorstellen: 
Im Hafen von Hesse Im Hafen von Mittersheim Bei einer Pause unterwegs


Technische Daten: 
- Baujahr: 2004 (Großbritannien)
-Länge: 13,25 m 
- Breite: 4,10 m 
- zusätzlich zum Dieselantrieb (siehe oben) ein Bugstrahlruder 
-Stromversorgung: unterwegs 12 V, im Hafen auch 220 V 
- drei Kabinen mit je zwei Einzelbetten 
- zwei Bäder (mit direkten Zugang aus den angrenzenden Kabinen)
- eine großzügige Küche mit vierflammigen Gasherd/Backofen, Spüle und einem 128-Liter-Kühlschrank
- vorne ein großer Salon mit Innensteuerstand, Radio/CD-Spieler, Sitzecke und direktem Zugang zum Vorderdeck 
- oben großes Sonnendeck mit Außensteuerstand 
- hinten auf ganzer Breite eine Badeplattform 
- Sonnenschirmhalterung, die man als Befestigung für den Fahnenmast zweckentfremden kann (sehr wichtig!!) 
- keine Frauen an Bord!
- Weinkeller mit erlesenen Spezialitäten (ist bei einem Tiefgang von ca. 50 cm gelogen, hört sich aber toll an.)


Nun ein paar Impressionen und Detail-Ansichten:

              
                                     Die Küche                                         Eine der drei Kajüten                            Steuerstand außen                           

                                                    
                       Steuerstand innen (unbesetzt)         Steuerstand innen (mit Steuermann)                      Der Motor                                  

 
             
                                  Der Salon                                          Die Badeplattform                                             Das Oberdeck



Folgende Karte gibt zunächst mal einen groben Überblick über die gesamte Tour. Die einzelnen Abschnitte sind von 1 bis 10 chronologisch nummeriert und werden unten im Text entsprechend angesprochen. (Vorsicht, die Karte ist von unten nach oben zu lesen.
Wir sind nun mal von Süden nach Norden gefahren.)



                             

Abschnitt   1: Hesse               - Schiffshebewerk Arzviller
Abschnitt   2: Arzwiller          - Gondrexange
Abschnitt   3: Gondrexange   - Rhein-Marne-Kanal Richtung Nancy
Abschnitt   4: zurück zur Abzweigung in den Saar-Kohle-Kanal
Abschnitt   5: auf dem Saar-Kohle-Kanal nach Mittersheim
Abschnitt   6: Mittersheim     - Sarrealbe
Abschnitt   7: Sarrealbe         - Sarreguemines
Abschnitt   8: Sarreguemines - Saarbrücken
Abschnitt   9: Saarbrücken     - Völklingen
Abschnitt 10: Völklingen        - Saarbrücken
(mit Klick auf die Abschnittsnummer wird an die entsprechende Textstelle verzweigt)



Mittwoch, 21.05.2008

Am Mittwochmorgen fuhren wir mit zwei PKW zur Basisstation nach Hesse. Das liegt am Rhein-Marne-Kanal, etwa auf halbem Weg zwischen Strasbourg und Nancy.

Laut Vertrag werden die Boote um 15:00 Uhr übergeben, dann folgt eine Einweisung in Theorie und Praxis. Man hatte uns aber in Aussicht gestellt, unsere Calypso schon früher in Empfang zu nehmen, vorausgesetzt der Vormieter bringt das Boot rechtzeitig zurück. Dies war uns wichtig, weil wir zunächst  - entgegen unserer eigentlichen Reiseroute -   einen Abstecher zum Schiffshebewerk in Arzviller machen wollten
(Richtung Strasbourg).

Als wir um 10:45 Uhr ankamen lag unser Boot schon fertig geputzt am Anlegesteg. Allerdings erfuhren wir nun, dass bei einer früheren Übernahme eine zusätzliche Gebühr von € 75,- fällig wird. Das war uns die Sache eigentlich nicht wert,  zumal wir noch die Einkäufe für die nächsten fünf Tage erledigen mussten. Einige weitere Hiobsbotschaften zwangen uns dann aber doch zu der zusätzlichen Ausgabe:

1. Die Mitarbeiterin an der Rezeption erklärte uns, dass wir für die Strecke bis Arzviller mindestens drei Stunden benötigen.
2. Das Hebewerk schließt um 18:00 Uhr. Eine Bootsübernahme um 15:00 Uhr wäre also möglicherweise zu spät gewesen.
3. Erschwerend kam hinzu, dass die Angestellten der Basisstation zwischen 12:00 Uhr und 14:00 Uhr Mittagspause haben. In dieser Zeit konnten wir das Schiff nicht übernehmen.
Nun war Eile geboten. Drei Abenteurer beluden das Boot mit dem Gepäck und installierten den Fahnenmast samt Fahnen. Die anderen drei Teilnehmer fuhren nach Sarrebourg in einen Supermarkt um hektisch und ohne jeglichen Plan den Proviant zu kaufen. Kurz vor 12:00 Uhr erklärte uns ein Basismitarbeiter schnell ein paar technische Details (Reinigen der Motorfilter, Wassertank, Dieseltank, Stromanschluss) und verschwand in die Mittagspause.

Wir verstauten den Proviant, richteten uns in den Kajüten ein und starteten um 13:00 Uhr.
(Karte: Abschnitt  1).        zurück zur Karte

Logbucheintrag: "13:00 Uhr: Start in Hesse"

Ich selbst war mit dem Einkäufertrio unterwegs und betrat nun zum ersten Mal das Schiff. Bei meinem ersten Schritt an Deck kam eine kräftige Windböe und fegte meinen Hut über Bord. Mit Hilfe des Bootshakens hat ihn Hans dankenswerterweise gerettet.










Martin war der Einzige mit Bootsführerschein und Bootserfahrung. Er fuhr die Calypso aus dem Hafen und übergab dann das Steuer an Hans.


Inzwischen hatten wir ordentlich Kohldampf und waren mit dem Decken des Tischs auf dem Oberdeck beschäftigt als Hans plötzlich schrie: "Achtung: Die Fahnen!". Wir fuhren stramm auf die erste Brücke zu und diese war so niedrig, dass es der Fahnenmast sicher nicht überlebt hätte. Also überließ Hans das Steuer sich selbst, hechtete zum Fahnenmast und riss diesen in letzter Sekunde aus der Halterung. Uff, das war gerade noch mal gut gegangen.

Ab diesem Zeitpunkt hatte ständig ein Mitglied der Mannschaft "Fahnendienst" und nahm vor jeder Brücke die Fahne aus der Halterung, um sie nach der Brücke wieder zu positionieren.


Fahne raus
Fahne wieder rein




Auf dem Weg Richtung Arzviller passiert man zwei Tunnel. Beide sind nur einspurig befahrbar, darum wird der Verkehr mittels einer Ampelanlage geregelt. Zunächst durchfährt man das kleinere "Souterrain de Niderviller" mit einer Lange von 475 Metern. Wir hatten Glück und konnten ohne Wartezeit einfahren.

Logbucheintrag: "13:45 Uhr: Ankunft  Tunnel von Niderviller"  






Nach etwa 500 Metern folgt das wesentlich längere "Souterrain d'Arzviller" (2.306 Meter). Hier war die Ampel rot. Später erfuhren wir, das man in diesem Fall am Ponton des rechten Ufers anlegen soll, damit das Boot auf dem Bildschirm des Konrollpostens erfasst wird.Wir legten natürlich links an, was aber keine negativen Folgen hatte.

Logbucheintrag: "14:00 Uhr: Anlegen vor Tunnel von Arzviller - rote Ampel"




Nachdem der Gegenverkehr den Tunnel verlassen hatte sprang die Ampel auf grün und wir konnten einfahren.

Logbucheintrag: "14:15 Uhr: Einfahrt in den Tunnel von Arzviller"





Die Durchfahrt dauerte ca. 30 Minuten. Im Tunnel war es hundekalt. Auch der Fahrtwind ist bei einer Reisegeschwindigkeit von 10 km/h nicht zu unterschätzen.

Nach dem Tunnel sind es noch gute drei km bis zum Schiffshebewerk. Für ausführliche Infos zu diesem Bauwerk hier der entsprechende Wikipedia-Link.

Logbucheintrag: "14:55 Uhr: Ankunft Hebewerk"


Aus unserer Richtung kamen wir "oben" an und wollten nach "unten". Bei der Ankunft war der "Transportbottich" auf dem Weg nach oben und wir warteten ca. 15 Minuten, bis sich das Tor öffnete. Dann konnten wir als erstes von drei Booten in den Trog einfahren.

Logbucheintrag: "15:10 Uhr: Einfahrt in den Hebewerk-Trog"





 

Logbucheintrag: "15:20 Uhr: Ausfahrt Hebewerk"

Vom Hebewerk aus fuhren wir noch einen guten Kilometer bis zur Schleuse Nr. 18, wo wir eine Pause einlegten. 

(Karte: Abschnitt  2).        zurück zur Karte

Wie schon bei Wikipedia beschrieben, ersetzt das Hebewerk eine ehemalige Schleusentreppe mit 17 Schleusen. Werner stieg hier aus und erwanderte die 17 stillgelegten Schleusen zu Fuß, während wir wieder zurück zum Hebewerk fuhren, um uns nach oben hieven zu lassen (ohne nennenswerten Aufenthalt). Am Ende der alten Schleusentreppe kam Werner wieder an Bord und hatte ein paar imposante Fotos der idyllischen alten Anlage im "Kasten".

       

   

Nach wenigen Metern erreichten wir die Einfahrt zum großen Tunnel, wo wir -  gemeinsam mit einem weiteren Hausboot -  30 Minuten Aufenthalt hatten (rote Ampel).





Logbucheinträge: "16:25 Uhr: Ankunft am Tunnel von Arzviller"      
                             "16:55 Uhr:
Einfahrt in den Tunnel von Arzviller"
                             "17:15 Uhr: Ausfahrt Tunnel von Niederviller"      
                             "18:05 Uhr: Wir passieren den Hafen von Hesse" 
 


Die Fahrt ging weiter, vorbei an den Ortschaften Xouaxange und Héming nach Gondrexange. Mittlerweile war es 19:30 Uhr und laut Karte gibt es hier ein Restaurant. Wir legten am Ortsende an.





Beim Spaziergang durch den Ort entdeckten wir die Bäckerei für den Einkauf am nächsten Morgen, mussten aber feststellen, dass besagtes Restaurant mittwochs Ruhetag hat. Also weihten wir die Bordküche ein und kochten Spaghetti mit Tomatensoße.





Es folgte die erste Nacht an Bord, wobei die Nachtruhe immer wieder von leichten Sägegeräuschen unterbrochen wurde, die wohl auch die gekräuselten Wellen auf folgendem Foto verursacht haben.



Unsere Anlegestelle lag schon im großen See von Gondrexange. Auf dem Bild ist gut zu sehen, dass der Wasserspiegel des Kanals niedriger ist als die Wasserflächen des Sees rechts und links. Man fährt also nicht direkt im See. Vielmehr ist der Kanal durch den See gebaut.


Donnerstag, 22.05.2008

Logbucheinträge: "07:15 Uhr: Michael und Egbert gehen einkaufen"
                             "08:00 Uhr: Frühstück"                                           


(Karte: Abschnitt  3).
       zurück zur Karte

Nach dem Frühstück kontrollierte der Maschinist die Technik.




Um 9:15 Uhr hieß es dann "Leinen los". Nach nur 1,5 km erreichten wir die Mündung des Saar-Kohle-Kanals in den Rhein-Marne-Kanal.

Unserer Reiseplanung zufolge war ein Abbiegen nach Norden geplant (im Bild nach rechts).



Da wir aber sehr gut in der Zeit lagen und in unserem Fall nicht der Weg, sondern der Kanal das Ziel war, fuhren wir noch bis ans Ende des Sees weiter auf dem Rhein-Marne-Kanal (also links).




Nach einer kurzen Pause wendeten wir (Wenden auf der Fahrbahn!) und schipperten zurück Richtung Kreuzung.

(Karte: Abschnitt  4).        zurück zur Karte

Inzwischen war es 10:00 Uhr und Zeit für ein zweites Frühstück. Auf dem Oberdeck wurde der Tisch gedeckt und Werner sorgte für Rührei.





Im Saar-Kohle-Kanal angekommen wurde bereits bei Kanalkilometer 1 erneut pausiert. Wir wollten noch etwas vom Étang de Gondrexange sehen bevor wir weiter zum Stockweiher fuhren. Da vom Kanal aus der See hinter den Deichen nicht zu sehen ist, legten wir an und kletterten die Böschung hoch.



Angesichts des Bildes links fällt mir das Erdmännchen-Phänomen ein, das ich Euch unbedingt erzählen muss:

Das Wetter war ganz passabel: Bewölkt, aber trocken, mit angenehmen Temperaturen. Allerdings ist es auf dem Wasser etwas kühler und der Fahrtwind tut das Seine. Darum trugen wir unsere Kapuzenshirts und wenn's richtig frisch wurde, kamen auch die Kapuzen zum Einsatz (siehe besagtes Bild). Wenn nun einer der Besatzung in dieser Montour die steile Treppe vom Salon zum Oberdeck hochkam und oben erst mal zur Orientierung kurz nach rechts und links schaute, sah das aus, als ob ein Erdmännchen vorsichtig seinen Bau verläßt. Noch putziger war es, wenn gleich zwei oder drei Erdmännchen nacheinander aus ihrem Bau kamen. Fortan nannten wir uns nur noch die Erdmännchen.


Nachtrag, Oktober 2010: Am 10.10.2010 haben wir die Patenschaft für ein Erdmännchen im Zoo Kaiserslautern übernommen



(Karte: Abschnitt  5).        zurück zur Karte

Der Kurs für die Weiterfahrt wird ermittelt:



Michael wollte die Reiseroute mit Hilfe der Tarock-Karten ergründen, ... ... während Werner dies lieber noch mal anhand von Kanal-Karten überprüfte.




Im weiteren Verlauf der Fahrt passierten wir dieses Kaufobjekt (auf dem blauen Schild steht: zu verkaufen) Hans suchte schon mal nach Finanzierungsmöglichkeiten


Der Saar-Kohle-Kanal fließt ab der Kreuzung im
Étang de Gondrexange auf einer Strecke von 64 km das Saartal hinab. Zwischen dem Stockweiher und der Stadt Sarreguemines gleichen 27 Schleusen einen Höhenunterschied von 73 Metern aus.  Diese Schleusen sollten den Tagesablauf der nächsten zwei Tage bestimmen.

Die Schleusen 1 bis 15 werden manuell betrieben. Dabei begleitete uns ein Wander-Schleusenwärten. Er musste alle Schleusentore mit Handkurbeln öffnen und schließen und düste anschließend mit seinem Mofa auf dem Treidelpfad vor uns her, um uns an der nächsten Schleuse wieder zu empfangen. Da dies für den armen Kerl sehr kraftaufwendig war und uns viel Zeit kostete, stellten wir Hans zur Unterstützung ab. Er übernahm die Hälfte der Arbeit, kam nach dem Öffnen der Schleusentore an Bord, um vor den nächsten Schleuse wieder auszusteigen. Die einzelnen Schleusen liegen übrigens oft nur wenige hundert Meter auseinander.

Der Steuermann hatte das Boot lediglich unfallfrei in die schmale Schleusenkammer zu fahren. Während des Schleusungsvorgangs hatte er Pause.




Nun  war die restliche Crew gefragt. Die folgenden Bilder zeigen den Verlauf eines typischen Schleusenvorgangs.

Wir nähern uns der gefluteten Schleuse. Ein zweites Boot folgt; dann wird das hintere Schleusentor geschlossen. Mit einer Handkurbel wird in den vorderen Schleusentoren der Durchlass geöffnet. 
Zwei Crewmitglieder sichern das Boot vorne und hinten  ...  ... während es in der Schleusenkammer abwärts geht. Dann öffnen der Schleusenwärter und Hans nur mit Muskelkraft die vorderen Tore.


Impressionen aus Schleuse Nr. 7:

Logbucheintrag: "14:35 Uhr: Ausfahrt Schleuse  Nr. 7 (2,7 m abwärts, manuell)                          "




Ab Schleuse Nr. 10 befindet man sich im letzten der drei großen Seen, dem Étang de Mittersheim. Um 16:07 Uhr passierten wir Schleuse Nr. 13, von wo man direkt in den Hafen von Mittersheim gelangt. Hier legten wir um 16:15 Uhr an und beendeten diese Tagesetappe. Mit unserem mofamobilen Schleusenwärter vereinbarten wir die Weiterfahrt für 9:30 Uhr am nächsten Morgen. Dies war notwendig, weil die nächste Schleuse unmittelbar nach dem Hafen wartete und die Vorletzte der manuellen Schleusen ist.

Im Hafen von Mittersheim erwartete uns eine Überraschung. Hier hatte die "Majesty of the Seas" angelegt, das größte Modellkreuzfahrtschiff der Welt, dem gleichnamigen Ozeanriesen im Masstab 1:8 nachempfunden.

   

Die Majesty Of The Seas bei Wikipedia

Sie ist 33,5 Meter lang und 4,75 Meter breit, bei einer Höhe von 4,6 Metern und einem Tiefgang von 1,06 Metern. Damit passt sie exakt in die Schleusen des Saar-Kohle-Kanals. 

Im weiteren Verlauf unserer Reise sollten wir ihr noch zweimal begegnen.

Wir legten im Hafen an und versorgten die Calypso mit Strom. 

Logbucheintrag: "16:15 Uhr: Ankunft Hafen Mittersheim"

   

Dann machten wir uns landfein, um im Hafencafé Pizza zu essen. Nach diesem interessanten Tag mit viel Bewegung an der frischen Luft schliefen wir seelig und träumten von vielen, vielen Schleusen.

Freitag, 23.05.2008

(Karte: Abschnitt  6).        zurück zur Karte

Im Hafen gab es ähnlich wie auf einem Campingplatz Toiletten und Duschen, die wir am nächsten Morgen ausgiebig nutzen.

     Beim Thema "sanitäre Anlagen" möchte ich hier mal kurz auf dieselben im Boot eingehen. Wie in den technischen Daten zu Beginn des                  Berichts beschrieben, gab es zwei  Bäder. Dies waren Nasszellen aus einem Guss, mit Waschbecken und Toilette. Zusätzlich waren diese                Nasszellen an sich gleichzeitig Duschkabinen.

Im Fußboden ist ein Abfluss. Dieser Fußboden liegt aber unterhalb des Kanal-Wasserspiegels. Das Wasser kann also nicht per Schwerkraft abfließen. Die Duschkabine füllt sich während des Duschens langsam mit Wasser, bis man schließlich bis zu den Knöcheln im Wasser steht. Dies ist grundsätzlich einigen Füßen geruchstechnisch gut bekommen. Anschließend betätigt man einen Druckknopf (im Bild der schwarze Knopf rechts unterhalb des Waschbeckens) und das Wasser wird mittels einer elektrischen Pumpe abgepumpt.

Ich hatte ein ungutes Gefühl, mit den Füßen im Wasser einen elektrischen Kontakt zu betätigen. Aber nachdem es vor mir alle andern Crewmitglieder überlebt hatten, habe ich es dann auch versucht.

Spektakulärer und vor allem gewöhnungsbedürftiger als die Dusche war die Toilette.

Auf dem Foto kann man mangels Größenvergleich die Ausmaße schlecht abschätzen. Man muss sich das etwa so groß wie einen Nachttopf vorstellen. Bei einem durchschnittlichen mitteleuropäischen Hinterteil-Volumen ist man dort eingeklemmt und es bedarf einer gehörigen Kraftanstrengung, um die Freiheit wiederzuerlangen. 

Wie funktioniert nun aber ein solches WC, das wie der Duschabfluss unterhalb des Kanal-Wasserspiegels liegt? Hier kommt die Handpumpe rechts vom Klo ins Spiel und insbesondere der Hebel darüber. Nach rechts geschaltet befördert die Pumpe den Toiletteninhalt aus der Toilette nach draußen in den Kanal. Nach links umgelegt wird anschließend zur Reinigung Kanalwasser von außen in die Kloschüssel gepumpt.

Darf ich nun von der Beschreibung dieser Toilette direkt zum Frühstück übergehen?

Wir tafelten bei schönem Wetter auf dem Oberdeck und konnten von dort beobachten, wie die "Majesty Of The Seas" Richtung Saargemünd ablegte. Eine halbe Stunde später nahmen wir die Verfolgung auf.

 


Logbucheintrag: "09:25 Uhr: Abfahrt Hafen Mittersheim"

Unmittelbar nach dem Hafen erwartete uns die vorletzte manuelle Schleuse (Nr. 14). An Schleuse Nr. 15 übergab man uns die Fernbedienung für die kommenden 15 automatischen Schleusen. 

Etwa 300 m vor diesen automatischen Schleusen war am rechten Ufer ein Empfangsgerät installiert, das wir mit der Fernbedienung anpeilten. Damit war die Schleuse über unsere Ankunft informiert und begann den Schleusungsvorgang einzuleiten. Offensichtlich hatten wir das Glück, dass uns ein entgegenkommendes Schiff sämtliche Becken geflutet hinterlassen hatte. Alle Ampeln waren grün und wir konnten direkt in die Kammern einfahren. In der Schleuse gab es einen blauen Stab, den man nach oben drücken musste, um die Schleusung in Gang zu setzen. Wie durch Zauberhand begann das Wasser aus der Schleusenkammer abzufließen. Unten angekommen öffneten sich die vorderen Schleusentore automatisch und wir konnten ausfahren.  Hierbei sollte man nicht trödeln, denn die Tore schließen anschließend wieder.


Logbucheintrag: "11:35 Uhr: Ausfahrt Schleuse Nr. 17 (2,7 m abwärts, automatisch),
                                              Anlegen nach der Schleuse zur Pause"                            
  


Direkt nach Schleuse 17 gab es bei Bissert einen kleinen Hafen, wo wir zur Mittagspause anlegten.




Nach dem Essen (Baguette, Käse, Pâté) und einer angemessenen Ruhepause, wurde zum Ausgleich etwas Sport getrieben.


 

Zwei Crewmitglieder fuhren mit den Fahrrädern zu einem nahe gelegenen Bauernhof und kauften frische Eier und Joghurt.

Logbucheintrag: "13:30 Uhr: Ablegen zur Weiterfahrt"

Ohne wesentlichen Aufenthalt folgten die Schleusen 18 bis 20.

(Karte: Abschnitt  7).
       zurück zur Karte

Logbucheintrag: "15:10 Uhr: Ausfahrt Schleuse Nr. 20 (2,7 m abwärts, automatisch)"

Da wir immer noch vor unserem Zeitplan lagen und am letzten Tag nicht zu früh im Zielhafen ankommen wollten, beschlossen wir, jetzt schon einen Ankerplatz zu suchen und den Tag geruhsam ausklingen zu lassen. Bei Kanalkilometer 44 (etwa einen Kilometer vor St. Michel) bot sich ein idyllisches Plätzchen an. Wir machten das Boot hier fest.


Logbucheintrag: "15:15 Uhr: Anlegen zur Übernachtung in 'freier Wildbahn' "

Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und der Kanal machte an dieser Stelle einen extrem sauberen Eindruck. Darum wagten zwei Unerschrockene einen Abstecher ins kalte Nass. Vor und während des Badeaufenthalts galt für die restliche Crew "Toilettenverbot". 
 
 

Danach suchte jeder eine andere Möglichkeit, die reichliche Freizeit gewinnbringend zu nutzen. Ungewöhnliche Beschäftigungen wie Essen und Trinken, ja sogar bizarre Tätigkeiten wie Lesen und Musik hören wurden ausprobiert. Besonders beliebt waren Kostümierungen:


Unser Manager Michael nutzte derweil die Zeit zur Tourorganisation und telefonierte. Dabei erfuhr er, dass die Calypso am Sonntag erst gegen Mittag zurückerwartet wurde (statt der ursprünglich vereinbarten 09:00 Uhr). Damit hatten wir erneut drei Stunden Zeit gewonnen.

 Nun ging alles Schlag auf Schlag. In einer kurzen Diskussion beschlossen wir, die Bootsreise am morgigen Samstag über Saarbrücken hinaus auszudehnen. Also wollten wir noch heute so weit wie möglich nach Norden fahren. Inzwischen war es kurz nach Sechs.

Logbucheintrag: "18:05 Uhr: spontaner Entschluss zur Weiterfahrt "

In nur fünf Minuten hatten wir das Boot wieder fahrbereit und tuckerten los. Wie weit konnten wir heute noch fahren? Das Schiffshebewerk in Arzviller und die manuellen Schleusen schlossen um 18:00 Uhr. Wie würden die automatischen Schleusen reagieren?

Schleuse 21 erreichten wir um 18:40 Uhr, und siehe da, sie funktionierte noch. Ankunft bei Schleuse 22 war gegen 19:25 Uhr. Hier ging nichts mehr. Wir fuhren noch zwei bis drei Kilometer zurück um einen geeigneten Ankerplatz zu finden. Um 19:40 Uhr war diese Tagesetappe endgültig beendet.

Logbucheintrag: "19:40 Uhr: erneutes Anlegen zur Übernachtung in 'freier Wildbahn' "  

Und wieder gab es Spaghetti mit Tomatensoße. Obwohl wir alle richtig müde waren, genehmigten wir uns ein paar Spielereien.



Samstag, 24.05.2008

Als wir am nächsten Morgen aufstanden, war das Wetter lediglich suboptimal. Wir mussten erstmals im Salon frühstücken. 

Keine Angst: Die Stimmung war nicht so schlecht, wie uns das Foto vorgaukelt. Wir brauchten nur eine Weile und eine große Kanne Kaffee um richtig wach zu werden. Als wir um 9:30 Uhr losfuhren, regnete es zwar nicht mehr, trotzdem wurde vom Innensteuerstand gefahren.

  

Als sich dann doch die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken mogelten, wurde die Situation zur Schiffshygiene genutzt.

   

Es folgten die automatischen Schleusen 22 bis 27. Mittlerweile verlief der Kanal parallel zur Saar, die hier aber noch nicht schiffbar ist. Nach der Schleuse 27 und unmittelbar vor Sarreguemines mündet der Kanal dann in den Fluss. Dort trafen wir unsere alte Freundin "Majesty Of The Seas" wieder.

   


Logbucheintrag: "12:00 Uhr: Ausfahrt Schleuse 27 (2,7 m abwärts, automatisch), Kanal mündet hier in die Saar"

Der Fluss ist schon viel breiter als vorher der Kanal und der Uferbereich wesentlich abwechslungsreicher.

   


(Karte: Abschnitt  8).        zurück zur Karte

Die Schleuse 28 befindet sich bereits mitten im Stadtgebiet von Saargemünd. Unmittelbar nach dieser Schleuse, direkt an der Mündung der Blies, liegt auf der deutschen (rechten) Flußseite ein kleiner privater Jachthafen,  den wir zu einer Pause anliefen und wo man uns mit saarländischem Bier versorgte. 

   

Dieter und ich gingen zu einem nahegelegen Supermarkt und frischten die Vorräte auf.


Logbucheintrag: "12:15 Uhr: Ausfahrt Schleuse 28 (2,7 m abwärts, automatisch)                  
                             Anlegen in privatem Jachthafen auf der deutschen Seite"                        
                           "12:25 Uhr Saargemünd, Pause, Einkaufen in nahe gelegenem Supermarkt"

Um 14:00 Uhr gings's weiter. Ein  - vom deutschen Bier und vom deutschen Supermarkt  - erschöpfter Steuermann musste zur Regeneration ausgewechselt werden.

Um 14:45 Uhr wurde für eine dreiviertel Stunde zur Mittagspause angelegt. Danach passierten wir die deutsch-französische Grenze und gaben um 16:25 Uhr an der letzten automatischen Schleuse (Schleuse Güdingen) die Fernbedienung ab. Von hier aus waren es nur noch  2,5 km bis zum Zielhafen in Saarbrücken - St. Arnual, den wir um 16:45 Uhr passierten.

(Karte: Abschnitt  9).        zurück zur Karte

Weiter ging's durch Saarbrücken, vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten ....

   

.... zur Saarbrücker Schleuse. 

Hier staunten wir nicht schlecht. Alle bisher passierten Schleusen hatten in Etwa die gleiche Größe. Diese hier war für gewaltige Transportschiffe ausgelegt. Unsere Calypso nahm sich wie eine kleine Nussschale im riesigen Schleusenbecken aus. Und dabei hatte man nur das hintere Drittel der Schleusenkammer für uns geflutet.

    

Ein Blick zurück nach der Ausfahrt macht noch einmal die ganzen Ausmaße deutlich.


Logbucheintrag: "17:45 Uhr: Ausfahrt Schleuse Saarbrücken"

 

Gemütlich tuckerten wir die Saar hinunter, bis wir um 19:00 Uhr in Völklingen gegenüber vom Weltkulturerbe anlegten. Die letzten Kilometer hatte es geregnet. Rechtzeitig zum Landgang hörte der Regen auf und wir konnten in Ruhe ein Speiselokal suchen. 

                        

 


Danach machten wir einen Spaziergang entlang der Völklinger Hütte, die heute Weltkulturerbe ist ....

 

.... um es uns dann für unsere letzte Nacht auf der Calypso in die Kojen gemütlich zu machen.

Sonntag, 25.05.2008

Der nächste Morgen begrüßte uns mit strahlendem Sonnenschein und wir konnten wieder auf dem Oberdeck frühstücken.

   


Logbucheintrag: "09:45 Uhr: Abfahrt in Völklingen"

(Karte: Abschnitt  10).        zurück zur Karte

Michael  chauffierte uns flussaufwärts, zurück nach Saarbrücken ....

 

.... wo wir zunächst wieder die Saarbrücker Schleuse passieren mussten. Während wir bisher alle Schleusen immer nur talwärts befahren hatten, wurden wir hier nun zum ersten - und letzten Mal hochgeschleust. Die beiden folgenden Bilder zeigen noch einmal das Ausmaß dieser gigantischen Schleuse.

 


Weiter ging's durch Saarbrücken, bis uns die Brücke von St. Arnual den Zielhafen ankündigte.

 


Logbucheintrag: "10:50 Uhr: Ankunft im Zielhafen SB - St. Arnual"

 

Annette erwartete uns im Hafen, machte ein abschließendes Foto der kompletten Crew und brachte die beiden Autofahrer nach Hesse, wo sie die Autos abholten (Vielen Dank, Annette!).

Da die Calypso nicht sofort wieder gebraucht wurde, durfte der Rest der Mannschaft an Bord auf die Rückkehr der Autos warten.